Vor Kurzem habe ich das das Buch „Die 7 Wege zur Effektivität“ von Stephen R. Covey zum zweiten Mal gelesen. Die Klarheit und Logik dieses Buches faszinieren mich. In dieser Reihe beschreibe ich mit Beispielen, wie ich versuche jeden der 7 Wege in meinem Leben anzuwenden.

1 Proaktiv handeln

Jeder kennt das Wort aktiv. Aber was heißt proaktiv? Vielleicht kann man es provokant so zusammenfassen:

Aktive Menschen machen viel, proaktive Menschen machen das Richtige!

Dabei ist das Richtige für jeden Menschen unterschiedlich. Es geht dabei viel mehr darum, das „Für sich Richtige“ zu machen.

Definition

Covey bezieht sich in seiner Definition von Proaktivität auf Viktor Frankl.

Frankl entwickelte das Prinzip der Proaktivität, das weit mehr bedeutet, als einfach nur aktiv zu sein. Als Menschen sind wir selbst für unser Leben verantwortlich. Unser Verhalten leitet sich von unseren Entscheidungen ab, nicht von den gegebenen Bedingungen.

Konkret

Konkret bedeutet das meiner Meinung nach folgendes:

  1. Wir können uns überlegen, was wir im Leben wollen und dann proaktive Entscheidungen und Handlungen ausführen um dies zu erreichen.
  2. Wir sind selbst für unsere Reaktionen verantwortlich. Die tierische Reaktion ist vom Reiz gesteuert. Sie ist reaktiv. Die menschliche Reaktion ist es nicht! Wir haben bei jedem Reiz die Freiheit zu wählen, wie wir darauf reagieren.
  3. Wir tragen unser eigenes Wetter mit uns! Reaktive Menschen werden von Gefühlen und äußeren Umständen getrieben. Wenn die Sonne scheint, geht es Ihnen gut, wenn es regnet, geht es Ihnen schlecht. Proaktive Menschen können selst entscheiden, ob für sie die Sonne scheint oder nicht, also ob sie schlecht drauf sind oder nicht.
Reaktive Menschen werden von Gefühlen und äußeren Umständen getrieben. Proaktiv Menschen überlegen sich selbst, was sie im Leben wollen und richten Ihre Handlungen danach aus.

Allgemeine Beispiele für Sätze, die reaktive Menschen sagen würden:

  • Ich bin stur, mein Großvater und mein Vater waren auch schon stur, das habe ich halt geerbt.
  • Meine Eltern haben mich so erzogen. Daran kann ich nichts ändern. Das ist jetzt so.
  • Wegen meinem Chef muss ich immer nervige Aufgaben erledigen. Würde er mir bessere Aufgaben übertragen, dann würde es mir viel besser gehen.

Allgemeine Beispiele für Sätze, die proaktive Menschen sagen würden:

  • Ich kann meine Gefühle selbst beeinflussen.
  • Wenn mir etwas wichtig ist, dann kann ich das auch erreichen.
  • Ich habe einen Einflussbereich. Und in dem kann ich etwas verändern!

Konkrete Beispiele

Als Lehrer

Du hast z.B. einen schrecklichen Stundenplan mit vielen Hohlstunden. Du könntest die Schuld auf den Schulleiter oder den Stundenplaner schieben und diese mit dem Problem konfrontieren. Oder du gehst proaktiv an die Sache heran und schaust dir die Stundenpläne deiner Kollegen an. Dabei versuchst du einen Tauschpartner zu finden und wendest dich dann direkt mit einer Lösung des Problems an den Schulleiter bzw. Stundenplanmacher.

Als Schüler

Du bist in einem Fach z.B in Mathe nicht gut? Du könntest sagen:

  • Ich war noch nie gut in Mathe.
  • Der Lehrer erklärt schlecht.
  • Meine Mutter/Vater war nicht gut in Mathe, das hat sich vererbt.

Oder du wirst proaktiv!

Du kannst selbst etwas verändern! Fang dabei im Kleinen an. Bereite Dich auf die nächste Stunde vor, indem du die letzte Stunde wiederholst, die Hausaufgaben und eventuell noch ein paar Zusatzaufgaben machst. Zeige diese Aufgaben deinem Lehrer, sag ihm du willst besser werden in Mathe und frag ihn, ob er es korrigieren kann.

Was wird passieren?

Du wirst das aktuelle Thema und auch das nächste Thema besser verstehen. Du kannst Dich deswegen vielleicht auch häufiger melden. Der Lehrer wird dich dadurch und weil du ihm gegenüber deine Absicht besser zu werden bekundet hast, plötzlich anders wahrnehmen.

Mache dieses Vorgehen nicht jede Stunde, aber ab und zu und ich kann Dir versprechen, dass du….

  • besser in Mathe wirst,
  • es Dir dadurch plötzlich ein bißchen Spaß macht,
  • du deswegen noch besser wirst,
  • es Dir noch mehr Spaß macht,…

Bei unserem Unternehmen Flip the Classroom

Wir fingen 2013 an. Damals gab es keine guten und passenden Videos im Internet. Wir glaubten aber an die Methode des „Flipped Classroom“ und wollten diese in der Kursstufe einsetzen, weil wir die Vorteile der Methode für die Schüler und für uns gesehen haben.

Wir hätten einfach sagen können, dass es unter diesen Umständen nicht möglich ist. Das Kultusministerium oder ein Verlag müssen erstmal Videos erstellen, die für den Unterricht geeignet sind. Das wäre aber reaktiv gewesen.

Also haben wir selbst die Erklärvideos erstellt. Wir waren damit proaktiv. Dadurch lernten wir, wie man solche Videos erstellt, wie man sie sinnvoll im Unterricht einsetzt und auch wie man eine Homepage programmiert. Nicht nur konnten wir unseren Unterricht mit der Methode bereichern, sondern wir wurden gleichzeitig Experten für die Themen „Einsatz und Erstellung von Erklärvideos“ und wurden für Vorträge und Workshops eingeladen.

FAZIT

Natürlich muss man um proaktiv zu sein, selbst aktiv werden. Aber vor allem muss man sich überlegen, was einem selbst wichtig ist (darum geht es bei Schritt II) und dann die richtigen Entscheidungen treffen, um dies zu erreichen.

  • Was meinst du dazu?
  • Beobachte dich mal: Ist deine Sprache manchmal reaktiv?
  • Wie geht es dir dabei? Könntest du etwas daran ändern?
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